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11.09.2009 10:42 Alter: 356 days
Von: dqha press / mk

Horsemanship Camp Borken - Eindrücke der Teilnehmer



2009 fand auf Gut Borken bereits zum zehnten Mal ein Horsemanship Camp der AQHA/DQHA mit der New Mexico Group unter Dr. Joe Armstrong statt. Es waren wieder viele Wiederholungstäter aus allen Richtungen Deutschlands angereist, zum Teil mit Freunden und Familien. Dementsprechend groß war die Wiedersehensfreude, und das Unterbringen von Pferd und Equipment zog sich in die Länge, da die Begrüßungszeremonie kein Ende nahm. Ganz selbstverständlich wurden die „Neulinge“ gleich mit einbezogen.

 

Am Abend traf man sich zum gemütlichen ersten Zusammensein bei leckerer Reitersuppe und super Wetter. Traditionsgemäß gab es am ersten Tag beim gemeinsamen Frühstück eine kleine Einweisung über den weiteren Ablauf des Camps. Familie Kühnlein als Gastgeber sowie das Team der New Mexico Group bestehend aus Dr. Joe Armstrong, Anna Riggs Eader, Megan Schueller und Clabe Jones stellten sich vor.

 

Damit war die Aufregung unter den Teilnehmern perfekt, denn es hieß: ab in die Arena, kurze Sicherheitsdemonstration und danach Pferde satteln zum Vorreiten der Pattern. Nach dem letzten Reiter wurden wir in die Mittagspause entlassen. Anschließend erfolgte die Gruppeneinteilung, die dieses Jahr besonders gut gelungen war. Die Aufteilung in allen Gruppen war absolut harmonisch und die Stimmung sehr schön.

 

Da die jeweiligen Gruppen aus Camp-Erfahrenen und Neulingen bestanden, wurden mit den Trainern Kennenlern-Spiele durchgeführt, um das Eis zu brechen. Mit Humor und sehr viel Spaß waren alle dabei. Das Camp mit seinen engagierten Trainern war geprägt von einer tollen Lernatmosphäre. In Workshops wurde z.B. Fachwissen spielerisch vermittelt (Jeopardy). Auch handwerkliches Geschick zum Herstellen und  Punzieren von Sporenriemen war gefordert. Wie jedes Jahr bereicherten externe Gäste das Angebot der Workshops, z.B. zum Thema Osteopathie oder Horsehair Braiding. Eine durch Familie Kühnlein geführte Hofrundfahrt gab einen interessanten und umfangreichen Einblick in das Tätigkeitsfeld von Gut Borken.

 

Durch die fliegenden Wechsel zwischen Theorie und Praxis sind die Stunden wie im Fluge vergangen. In den Praxisstunden hatte jeder Trainer seinen eigenen Stil und schreckte auch vor ungewohnten Methoden nicht zurück: So schauten die Teilnehmer von Clabe`s Gruppe am ersten Tag nicht schlecht, als es nach kurzer Zeit hieß: „Absitzen und Absatteln.“ Aber durch eigenes Mitmachen und seine motivierende Art galoppierten schließlich alle auf dem blanken Pferderücken, einen Arm zur Seite gestreckt mit geschlossenen Augen.

 

Ja, neben der Gymnastisierung der Pferde waren es vor allem die Reiter, die an sich arbeiteten - getreu nach dem Motto: „Hilf deinem Pferd! Ein ausbalancierter Reiter macht es dem Pferd leicht alles zu tun.“ In allen Gruppen wurde um die Wette gedehnt und gestretcht, wohlgemerkt beim Reiter! Aber auch die Beweglichkeit im Kopf wurde trainiert. (Intern: Und mancher Teilnehmer ist immer noch verzweifelt auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wohin der rote Ball geht…  „Tja, where does the red ball go?!“)

 

An einem Abend bildeten sich aus allen Teilnehmern zwei Teams um folgende Aufgabe zu lösen: „Stellt ein Pferd in einen Kreis und ein Viereck, lasst es  über einen Sprung gehen, ohne zu reden oder das Pferd zu berühren.“ Dabei wurde mit Spaß und Teamgeist klar, dass „viele Wege nach Rom führen“ und man manchmal einen recht eingeengten Denkhorizont hat.

 

Begeistert haben unsere tollen Trainer durch ihr Wissen, ihr Engagement, aber auch durch ihre Menschlichkeit und der Art und Weise auf jeden Reiter individuell einzugehen. Was für ein Spaß war es, am Abschlussabend zum 10-jährigen Jubiläum, unsere vier Trainer in der „Was wäre, wenn es keine Horsemanship Camps gegeben hätte“ – Show zu erleben. Megan erschien als Psychologin, die mit ihren Patienten – Anna, als Rockgöre, Clabe dem extravaganten Modedesigner und Joe dem (den roten Ball again) dribbelnden Fußballstar sowie Christoph als Bayern-München-Fan für viel Begeisterung sorgten. Unvergessen bleiben wird wohl auch der einmalige Auftritt von Holger (Co-Instructor) mit seiner virtuellen Reining. Wir hoffen sehnsüchtig auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr – vielleicht mit einer „working cow horse“- Demo?! Musikalisch begleitete Babara Portland uns durch den Abend.

 

Unvergessen bleiben die gemütlichen Abende am Lagerfeuer, zu dem wir uns die Bilder des Tages betrachten konnten. Hierbei ein großes Dankeschön an Petra Kühnlein, die mit ihrem geübten Auge und ihrer Kamera tolle Motive eingefangen hatte.

 

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei den Co-Instructoren: Nadja, Hans-Jörn, Holger und Helfried, die täglich in einer anderen Gruppe seelischen Beistand leisteten und fleißig übersetzten. 2009 war eine „runde Sache“ – alles war perfekt: Herrliches Wetter, phantastische Leute, super Trainer! Wir freuen uns, dass die AQHA/DQHA uns so ein tolles Camp ermöglicht haben. „Nach dem Camp ist vor dem Camp!“

 

Good Luck – bis 2010!

Viele Grüße  Simone, Madlen u. Claudia

 

 

Uuuh…uuuh…dat is Borken!

 

Ich habe es hinter mir. Mein erstes Mal. Nachdem ich lange darauf gehofft hatte, wurde es nun endlich wahr. Und es hat auch gar nicht weh getan – ganz im Gegenteil, es war wirklich toll und einmalig!

 

Aber beginnen wir am Anfang.

Wie wir im Nachhinein erfahren haben, gab es sehr viele traurige Vorfälle, die dazu geführt hatten, dass doch kurzfristig einige Plätze für das Horsemanship Camp in Gut Borken frei geworden waren. Doch so hatten wir Neueinsteiger auch einmal eine Chance, das spezielle Borken-Feeling zu erleben. Und ebenso wie Joe (Armstrong) es in seiner Predigt erwähnt hatte – wir wünschen Euch allen, die dieses Jahr nicht dabei sein konnten, dass es Euch bald wieder besser geht, unsere Gedanken waren bei Euch (wenn auch z.T. unbekannterweise)

 

Für mich begann das Camp sehr spät – dank meines Jobs trudelte ich erst nach 23 Uhr in Borken ein. Aber schon jetzt zeigte sich, was diese Camps ausmacht – ich würde von einigen Leutchen begrüßt, die bis jetzt ausgeharrt hatten und die mir alles Mögliche aus der Hand nahmen. Ich und mein Pony waren sozusagen gleich umfassend umtüddelt und konnten dann auch schnell in die Koje (was wirklich eine Koje war, denn wir bezogen den Vorhang-geschützten Bühnenplatz) – denn der Morgen begann spätestens um 6.30 Uhr Uhr in Borken.

 

Nach dem Aufstehen (hatten wir wirklich Schlaf bekommen? Also rein gefühlt - nicht wirklich) ging es dann los mit Boxen machen und Pferde füttern. Man lernte nun auch endlich weitere Gesichter kennen, seien es weitere Frischlinge oder auch Urgesteine von Borken. Was mir immer in Erinnerung bleiben wird – war die herzliche Art aller Teilnehmer und die Hilfsbereitschaft. Sicherlich war es das, was gefördert werden sollte durch ein solches Camp, sicherlich wurde auch immer wieder darauf hingewiesen – aber trotzdem war es ein unheimlich tolles Gefühl, diese Herzlichkeit aller Teilnehmer und die offene Art, wie man aufgenommen wurde in diesem Übermaß hautnah zu erleben.

 

Aber genug der Schwärmerei – denn schon ging es weiter zum Frühstück ins Kulturhaus. Es folgt die erste Ansprache durch Kathrin Dreyer-Süchting, die auch während des Camps mit ihrer ruhigen Art immer helfend und übersetzend zur Seite stand, und die Vorstellung der Instruktoren und deren Assistenten. Von der New Mexico Group waren Dr. Joe B. Armstrong, Anna „the mean one“ Riggs-Eader, Clabe „red suit man“ Jones und Megan „ in die Mitte bitte“ Duff nach Borken gekommen. Ihnen zur Seite standen Hans-Jörn „Borken-Blues-Man“ Buttgereit, Nadja „the Model“ Vanselow, Holger „it’s (a) (virtual) reining man“ Meyer und Hellfried „vor dem Tore“ Kurzacz.

 

So weit so gut – aber jetzt hieß es: ab auf den Platz. Es folgte eine Sicherheits-Einführung ins Satteln und Trensen der Pferde, und dann wurde die Pattern vorgestellt, die wir reiten sollten. Danach wusste ich auch, woher die lustigen Fotos im Internet aus den Vorjahren kamen, bei denen Horden von Reitern zu Fuß über den Platz stolpern. Wir sollten zum Glück in zwei Gruppen reiten, die erste Gruppe war besonders übereifrig und anscheinend nicht stark im Zählen, so dass nur ca. 10 Leutchen (inkl. uns) für die zweite Gruppe übrig blieben.

 

Als ich mich gerade an der ersten Pylone aufstellte, stand Joe neben mir und sagte, dass alles ok sei, einfach ruhig die Aufgabe reiten und atmen nicht vergessen. Tja, gerade das war meistens das Problem – atmen. Joe lachte nur und ich bekam nun, da ich ihn ja bisher nicht kannte, eine grobe Ahnung von seinem herzlichen, trockenen Humor.

 

Nachdem alle die Pattern überstanden hatten und Wilgard sich unser aller Respekt durch ihre „Showeinlage“ verdient hatte (Borken-Bremsen-Bomber waren im Tiefflug unterwegs), war auch schon wieder Mittagszeit. Nach dem Mittag folgte die Gruppeneinteilung.

Ich war etwas verwundert, dass ich bei allen vier Gruppen immer noch nicht eingeteilt worden war. War ich vergessen worden? Megan und Anna lösten das Problem dann aber mit den Worten auf – wir haben zu viele Kirsten, Kerstin, Christin, whatever, kommt alle nach vorne, wir müssen Euch irgendwie auseinander sortieren.

 

Ich landete in der grünen Megan-Gruppe. Wie sich dann auch bei den anderen rausstellte, konnte keiner wirklich sagen, was die Gruppen ausmachte, gab es bessere, gab es schlechtere, wieso wurden diesmal auch altersmäßig die Gruppen total durchmischt? Joe und Anna behaupteten fest von ihrer Gruppe, sie wären die besten, so wurde aus der orangen Gruppe dann auf einmal eine goldene. Auch wenn so einiges für uns noch nicht so erkennbar war, so wurde am letzten Tag doch offensichtlich, dass es wirklich passte und die Gruppen sich gefunden hatten.

 

In den folgenden Tagen wurde zweimal am Tag geritten. Wir machten allerlei lustige Übungen, mit und ohne Steigbügel, stehend oder auch dehnend - in allen Variationen, selbst wenn die Arme zu kurz waren. Aber wir ritten auch diverse Patterns und arbeiteten an diesem oder jenen Problem. Am ersten oder zweiten Tag sollten wir dann mit der anderen Gruppe eine Reihe bilden – es gab endlich „Kuhe“ (Megan bemühte sich wirklich Deutsch zu lernen, aber dieser vertrackte deutsche Umlaut wollte nicht über ihre Lippen).

 

Während der nächsten Tage übten wir auch auf dem Trailplatz – und wer dachte, dass man „nur“ die Hindernisse üben konnte, wurde eines besseren belehrt. Einhändig, ohne Steigbügel oder auch ohne Sattel, Übergänge in allen Variationen und an allen Orten des Trailplatzes machten auch diese Übungen spannend.

 

Zwischen den praktischen Teilen folgten auch immer wieder theoretische Teile, die allerdings alles andere als theoretisch waren. Der erste Tag begann mit Teambuilding à la Verknäulen (where goes the red ball?). Bei dem anschließenden Häusle bzw. Türmle bauen packte so einige der Ehrgeiz, andere einfach nur die Marshmallow-Fress-Sucht und am Ende zeigte Hans-Jörn mit seinem Team, dass er eben auch ein versessener Marshmallow-Man ist. Weiter ging es mit „bits & bitting“ wo auch noch jeder etwas über Gebisse lernen konnte und Clabe wirklich jedem veranschaulichte, auf was man achten sollte – und dass es letzten Endes auf das einzelne Pferd ankommt. Jedem wird wohl diese Geschichte mit der speziellen Vorliebe für ein Holzgebiss im Ohr bleiben.

 

Als am zweiten Tag dann die Sache mit Pferdehaaren aufkam, bildeten sich die ersten Hair-Freak-Grüppchen, die wie die Wahnsinnigen zwirbelten. Andere hingegen verließ die Geduld und hatten wohl einen  „bad hair day“ (das passt auch hier, nicht wahr, Ines ;o) Birgit (www.birgithencke-horsemanship.de) zeigte uns jedenfalls sehr geduldig, wie wir allerlei nützliches aus Haaren herstellen konnten und immer wieder fanden sich kleine, verschworene Grüppchen zusammen, die wild weiterzwirbelten.

 

„Schlimmer“ wurde es dann nur, als Clabe uns in die Kunst des Punzierens zeigte, so dass wir unsere ersten Sporen selber gestalten konnten. Alle hämmerten nun wie die Wilden, aber da die Zeit fehlte die Sporen komplett fertigzustellen, fanden sich gemischte Grüppchen aus Hair-Freaks und Sporen-Behämmerten. Die Haare blieben nicht auf dem Tisch, da die Behämmerten für ordentlich Vibration sorgten, die Hair-Freaks bekamen einen halben Hörschaden bei ihren meditativen Flechtarbeiten. Am Ende konnte man dann aber trotzdem bei allen Fraktionen durchaus herausragend schöne Ergebnisse vermelden.

 

Hinzu kamen dann auch noch lustige Ratespielchen a la Jeopardy. Alle rissen sich um Fragen rund um Anatomie, Rassen und Endokrinologie, es wurde wild diskutiert, ob der Arm vor oder nach der Frage oben war oder ob die Antworten wirklich korrekt waren, war es nun dun oder red dun? Claudia war in unserer Gruppe eindeutig der Krankheits-Joker. Es wurde bis um die allerletzten Punkte gekämpft. Auf jeden Fall hat diese Blutdruck-steigernde Maßnahme viel Spaß gemacht.

 

Weiterhin gab es auch immer wieder Demonstrationen. So gaben uns Megan, Anna und Hans-Jörn einen Einblick in die Working Cowhorse. Eigentlich sollte Megan, deren Paradedisziplin dies war, uns diese näherbringen. Ihr Pferd sah das anders und sorgte durch die offene Art, die absolute Arbeitsverweigerung zu zeigen, für so einige Lacher. Also sprang Hans-Jörn ein, der nun richtig aufdrehen konnte. Anna brachte uns außerdem einen überraschenden Einblick, wie man, wenn sein Pferd nicht prompt auf Hilfen reagiert, diese dann verstärken kann – es sei nur gesagt: Eine Kuh war ihr dabei behilflich.

 

Nachdem in zwei weiteren Mittagspausen die vorherrschenden Farben blau und gelb waren, wähnten sich die ersten schon im Ikea-Sommerschlussverkauf, es handelte sich aber doch um eine Demonstration von Thies Böttcher (http://gentlehorsetraining.wordpress.com), der uns die Dualaktivierung nahe brachte. Auch wenn die Sonne nur so brütete, liefen alle brav durch den Parcours, um einmal ein Gefühl zu erhalten, wie sich ein Pferd zwischen den blau-gelben Gassen wohl fühlen würde. Thies zeigte uns danach noch, wie er Pferde mithilfe dieser Hilfsmittel longierte und am nächsten Tag auch, wie er Pferde unter dem Reiter damit arbeitete.

 

Wo Rinder sind, darf auch „Team Penning“ nicht fehlen. Wir trafen uns – zusammen mit den Kühen - auf dem Reitplatz. Aufgabe war es nun, wie es eben beim Team Penning so üblich ist, drei Kühe aus der Herde zu trennen und diese innerhalb von maximal 5 min. in den Pferch zu treiben. Es wurden Gruppen von ca. 5 Leutchen gebildet und los ging es. Ach ja, apropos gehen – hatte ich schon erwähnt, dass es ohne Pferde und nur zu Fuß war (z.T. sogar barfuss)?

 

Die ersten Gruppen versuchten ihr Glück. Unsere Gruppe stimmte sich kurz ab, analysierte fast schon professionell und war dann endlich dran. Die Aufgaben waren verteilt – Carsten ging in die Herde, ich selbst dicht hinter ihm. Zwei hielten die Herde und sollten dann helfen, die Seite zum Pferch dicht zu machen. Die Kühe waren vor den Panels, ich näherte mich und hatte irgendwie nur diesen einen Gedanken – große Bubbles, ganz große Bubbles, diese Viecher hatten verdammt große Bubbles! Also bewegte ich mich langsam und Schritt für Schritt den Kühen entgegen. Kaum war auch nur eine Kuh im Pferch, sah ich Barbara und Maja (wie vorher besprochen oder wie Joe sagte – eine Kuh ist besser als keine Kuh) in den Pferch fast comic-like hechten und „Time“ rufen – die Kuh war nur ganz unwesentlich verdutzt. Somit lagen wir vorne, da wir regelbuchgerecht zumindest eine Kuh eingebuchtet hatten. „Leider“ hatte eine andere Gruppe es zumindest zeitweilig geschafft, zwei Kühe in den Pferd zu kriegen, auch wenn diese dann schnell ihrem Verlies wieder entfleucht waren, aber dennoch war es ein verdienter Sieg für die – wie könnte man diese Gruppe nennen? - „barfüßigen Dreckfuß-Indianer“.

 

Who’ll stopp the rain? Das war die Frage des vorletzten Tages. Es schüttete wie nichts gutes, aber anscheinend musste es hier so sein, dass es mindestens einen Regentag gibt. Es wurde schnell umdisponiert und alle Gruppen fanden sich zu einem sehr interessanten Vortrag über Chiropraktik zusammen. Dass ein Pferd kein Schlüsselbein hat, war nichts neues, aber wo sitzt das Erbsbein? Leider bekamen nicht alle die abschließende Komplettbehandlung eines Pferdes mit, da einige schon mit Tanzen beschäftigt waren.

 

Es wurde dann die Ranchtour dazwischen geschoben. So viel Land, so viele Rinder, so viel Platz – Christoph zeigte und erklärte uns sehr geduldig seine Ländereien. So langsam wurde auch dem letzten klar, wie groß dieses Unternehmen war und wie viel Arbeit – und mit unserem Laienblick lagen wir wahrscheinlich weit unter dem realen Aufwand – dahinter steckte. Umso toller fand ich es, wie viel Zeit sich Christoph und eben auch Petra für dieses Camp nahmen – trotz all der Arbeit hier – und wie herzlich die Atmosphäre überall war.

 

Apropos herzlich – ich hatte inzwischen ein neues Feindbild ausgemacht. Bekannt war vorher schon, dass so etwas hier für Unruhe sorgte. Dass selbst oder vor allem die Pferde dadurch immer wieder in Mitleidenschaft gezogen wurden. Aber dass ich jetzt auch persönlich angegriffen wurde? Das schien mir nicht möglich. Aber dennoch war es so – ein aggressiver Mehrfachangriff. Am Samstag waren mein Arm und meine Hand auf die fast doppelte Größe angewachsen, mal abgesehen von der Taubheit, dem Brennen, den Brandblasen und dass er einfach glühte und schmerzte. Nicht genug, in den folgenden Tagen taten sich die Spezies, allgemein bekannt als Bremsen, noch viermal am gleichen Arm gütlich, so dass ich eine Allergie bekam. Aber dank der allumfassenden Borken-Hilfe – ich wurde mit allem erdenklichen wie Tabletten, Globuli, Tropfen, Gel, Kühlpads und innerer Desinfektion umfassend eingedeckt – konnte ich meinen schlimmsten Gedanken „Oh nein, ich kann morgen nicht reiten!“ dann doch schnell genug beiseite legen. Also, be aware of the „Borken-Bremsen-Bomber“

 

Wo wir auch gerade bei den wunderbaren Alliterationen sind, kommen wir doch auch gleich zum einem weiteren BB, wenn nicht DEM Highlight überhaupt - Borken Blues Man. Sobald sich die allabendlichen Reihen etwas gelichtet hatten, wurde ein exklusives Publikum Zeuge des Trio infernale – Martin, Norbert und Hans-Jörn. Während Martin und Norbert ihren Gitarren die zarten Borken-Blues-Klänge entlockten, fungierten sie gleichzeitig für Hans-Jörn als Stichwortgeber, der sehr spontan die Dinge des Tages zusammenfasste. Immer wieder kam die Sprache auf die böse Schwiegermutter, den morgendlichen Karo-Catwalk und vor allem auf den frühen Vogel – der bekanntlich die Mistkarre fängt.

 

Mein  persönliches Highlight kam dann ebenfalls am vorletzten Tag. Dank des Regens hatten wir eine kleine Seenlandschaft auf dem von der grünen Gruppe genutzten Zirkel – im Gegensatz zu Clabes Gruppe  ;-) konnten wir damit aber ja hervorragend umgehen und machten trotzdem unsere Galopparbeit und Rollback-Übungen. Außerdem half der halbe See auch gerade Annabel bei dem Punkt „voraus-schauend reiten“. Tja, was soll man sagen - Clabes-Gruppe waren halt Schönwetterreiter.

 

Aber genug der Lästereien und zurück zum Highlight – it’s Kuh-time. Beide Gruppen sollten nun an die Herde, es gab jeweils zwei Herdholder und einen, der den Deepcut macht und eine von Clabe angesagte Kuh aus der Herde holt und ein wenig wendet (also nein, nicht von beiden Seiten panieren und braten und so, sondern an der kurzen Seite ein paar Mal „turnen“). Bei allen stieg die Temperatur und es brach wieder Kuhfieber aus, alle bekamen eine gesunde Gesichtsfarbe. Endlich war ich an der Reihe. Während ich in die Herde ritt, merkte ich, wie sehr Snikkers bei mir war und elfengleich – was definitiv erstaunlich für sie war – in die Herde schlich. Mit einem halben Ohr hörte ich dann Clabe sagen – it’s a cowhorse…Ich glaube, das war eigentlich das allerbeste Kompliment, was ich hören konnte, ich grinste schon jetzt über zwei Backen. Wir trennten die Kuh, brachten sie an die kurze Seite. Megan gab uns Tipps, dass wir die Kuh immer schön an der Schulter halten und das Pferd erst richtig stoppen sollten und dann „turnen“ sollten. Aber was soll ich sagen – mein kleines Kuhpony wartete gespannt auf den Zügel, wir trieben die Kuh hin und her und mein Grinsen erstreckte sich inzwischen über mehr als zwei Backen.

 

Der letzte Abend brach an. Das Essen war – wie auch nochmal erwähnt werden sollte – wie immer hervorragend. Barbara (barbara-portland.com) hatte sich für diesen Abend bereit erklärt, als Sängerin zur Verfügung zu stehen, was sicherlich zu der besonderen Stimmung beitrug. Wir hatten alle viel Spaß und Barbara beeindruckte uns – mal wieder – durch ihre atemberaubende Stimme und ihr Talent als Entertainerin.

 

Zwischendrin gab es dann noch weitere Demonstrationen – die Instruktoren hatten sich Gedanken über das „Was wäre wenn..“ gemacht. Was wäre, wenn sie nicht Instruktoren geworden wären? Dann würde Joe Fußball spielen, Christoph würde als Fußballfan anfeuern, Clabe hätte Designer werden dürfen (red suit man!) und dabei Nadja als Model abgeworben. Anna wäre ein very mean Rockstar geworden – ein unheilbarer Fall selbst für die Psychologin Dr. Megan. Und wer hätte am Ende den ganzen Kram aufgeräumt? Na, Kathrin als Facilty Management sozusagen.

 

Es folgte eine weitere Show-Einlage - It’s reining man – nein, it’s a virtual reining man! Holger zeigte, dass man sich auch in virtuellen Gefilden schnell mal über-spinnen kann. Trotzdem gab es einen Highscore und forderte somit andere Nachahmer zu weiteren Show-Acts heraus – von Barrel Race bis Wild Cow milking.

 

Der letzte Tag – brach wie immer morgens um 6.30 Uhr an. Nach dem Frühstück sollten wir unsere Pferde fertig machen und die Pattern vorreiten. Man sah bei allen deutliche Verbesserungen, bei einigen war jedoch noch ein wenig die eigene Nervosität mit dabei. Als unsere Gruppe drankam, ritten wir nacheinander die Pattern durch. Megan stand dabei und coachte uns durch die Pattern. In den letzten Tagen waren wir wirklich zu einem Team zusammengewachsen, so dass wir uns gegenseitig bei jedem Ritt anfeuerten und uns aufrichtig über alle Fortschritte freuen konnten, die „grune“ Stimmung war nun sicherlich die beste. Und auch wenn dieses oder jenes nicht ganz so klappte – so meisterte jeder seine eigene persönliche Aufgabe zusammen mit der Pattern. Claudia und Thomas zeigten, wie ruhig sie ihre Pferde durch die Pattern reiten konnten, Barbara ritt ihr Pferd ebenfalls ruhig und souverän durch die Pattern, auch wenn es vorher hieß – kurzer Galopp ist nichts für sie. Ines zeigte mal wieder eine sehr ruhige und stimmige Ausführung, Christine, die immer sehr perfektioniert an die Pattern ran ging, korrigierte trotzdem ruhig und konsequent, ebenso wie Kerstin mit ihrem Foto-Model-Pferd. Annabell war wohl etwas aufgeregt, zeigte aber trotzdem, auf was es ankommt – Fehler erkennen, ruhig korrigieren und einfach weitermachen.

 

Die Gruppe von Clabe zeigte dann noch eine Überraschung bei ihrer Pattern – sie stellten eine an die Working Cowhorse angelegte Pattern vor und arbeiteten dann noch kurz ein Rind, eben fast wie eine richtige Working Cowhorse.

 

Es folgte das Mittagessen und der Nachgeschmack setzte ein – es ist bald zu Ende. Aber vorher wurden noch die Besten der Pattern geehrt ebenso wie die vielen Helfer und Assistenten. Dann bekam jeder seine Urkunde und die Gruppen verabschiedeten nun ihre Instruktoren, jeder von ihnen bekam noch ein Abschiedsgeschenk.

 

Die „grune“ Gruppe (mal nebenher bemerkt – es hat wirklich Spaß gemacht, diesem Team anzugehören! Und: Fünf Kühe frühstücken Müsli) musste nun Megan verabschieden (oder eben auch – in die Mitte bitte!) Eine Karte reichte einfach nicht, um Megan für das zu danken, was sie ausmachte – ihre herzliche Art, mit der sie mehr sah als das, was augenscheinlich war und jedem auf seinem Weg half, teilweise auch fast unsichtbar, auch wenn sie dabei nach außen so cool wirkte. Diese Coolness fiel endgültig von ihr ab und die Augen wurden feucht, nachdem wir für sie unseren „Megan-Blues“ (Uh, uh, that is Megan) performed hatten. (Liedtext folgt noch – Danke auch besonders nochmal an Ines)

 

Nach der letzten Verabschiedung wurde nun noch das obligatorische Gruppenfoto (diesmal ganz pretty in pink) gemacht, zusammen mit dem speziell angefertigten Borken-Banner (und wieder ein BB, danke übrigens Sue) zum Bestehen von 10 Jahren Borken.  

 

Doch nun war die Zeit des Aufbruchs gekommen. Alle verteilten sich, suchten ihre Sachen zusammen, die ersten Boxen und Paddocks leerten sich und ein jeder wurde verabschiedet. Ein letzter Kaffee, ein letztes Stück Kuchen und dann ab nach Hause. Auf der Autobahn traf man dann auch sogar noch den einen oder anderen wieder, während man friedlich sinnierend im Auto saß, tauchte auf einmal der Borken-Blues Man anscheinend in geheimer Mission neben einem auf oder man überholte selbst bekannte Gesichter.

 

Wieso geht so eine gute Zeit so schnell vorbei? Die Antwort kenne ich nicht, aber eins steht für annähernd alle schon jetzt fest – wir sehen uns in Borken 2010!

 

An dieser Stelle auch noch einmal der herzliche Dank von allen Teilnehmern an die DQHA, dass uns ein solches Camp mit der New Mexico Group ermöglicht wurde – es war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Der Dank geht natürlich auch gen New Mexico&Texas an die Instruktoren, mit denen wir viel Spaß hatten und von denen wir unheimlich viel lernen konnten, ebenso an die Assistenten, die nicht nur „stets bemüht“ waren, sondern dabei noch viel gute Laune verbreitet haben. Und zuletzt ein Dankeschön ebenfalls an Kathrin Dreyer-Süchting, die sich schon seit Jahren um die ganze Organisation kümmert. Und zu allerletzt natürlich an Familie Kühnlein, die nicht nur eine tolle Location für dieses Event, sondern auch viel Herz für diese Sache bereitgestellt haben.

 

Eure Kiki

(kirsten.krueger(at)joes-sundown-stable.de)